Anlässlich des Online-Workshops: Pranayama („Breathwork“) für politisch Gestresste – 25. Juli (auf Spendenbasis; Workshop in englischer Sprache) macht es Sinn, zuerst zu klären, warum Pranayama/ Atemübungen (oder ausdrucksvoll „Breathwork“) überhaupt mit Politik in Verbindung sind. Ist das nicht etwas weit hergeholt? Keineswegs. Ich würde sagen, im Gegenteil.
Persönliche Praxis, kollektive Selbstfürsorge und das Lernen in und aus kulturellen Traditionen als losgelöst vom sozialen und politischen Leben zu betrachten, ist eine künstliche Trennung. Sie dient dazu, uns davon abzuhalten, dass wir uns melden, wenn wir uns schwach oder überfordert fühlen, und drängt uns stattdessen in Scham. Je schamgetriebener Individuen und Bevölkerungen sind, desto leichter lassen sie sich kontrollieren.
Unabhängig von Zustimmung zu dieser (durchaus) politischen Lesart, gibt es noch viele weitere Gründe, warum Pranayama und persönliche Praxis speziell hinsichtlich Politik relevant ist.
Sechs davon habe ich im ersten Artikel des ✨ neuen Substack aufgelistet.
1. Politischer Stress ist dauerhaft
Die meisten Stressreaktionen und Praktiken haben einen Endpunkt im Blick. Politischer Stress hat keinen. Er erzeugt eine eigene „Kurve“, ein anderes Grundrauschen und nervliche Aktivierung als andere Arten von Stress, und hält unser Nervensystem angespannt ohne einschätzbare Aussicht auf Loslösung. Pranayama ist eine der wenigen Praktiken, die während Bedrohung und Sorge regulieren können, und das über situativen Einsatz und situative ‚Entspannung‘ hinaus.
2. Das Legitimitätsproblem
Politischer Stress wird kleingeredet. Von Menschen, die so tun, als gäbe es ihn nicht (sprich: die ihn verursachen), mit „zu sensibel“, „du übertreibst“, „du kannst den Kontakt zu deiner Familie nicht abbrechen, egal was sie wählen“ usw. Damit fallen die sozialen Kanäle weg, die notwendig sind, um Stress zu verarbeiten: in einem Raum mit Menschen zu sein, die alle wissen, dass die Reaktionen unseres Nervensystems nicht übertrieben sind.
Das mag ein Argument sein für solche Workshops, generell mehr Angebote speziell für politisch Belastete, und auch dafür, warum Pranayama eine ausgezeichnete Praxis ist. Denn sie benötigt niemandes Einschätzung, ob eine Sorge, ein Bedenken, eine Schwere, berechtigt sei.
Vier weitere Punkte hier im Substack Artikel (engl.)
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